Monitoring: Deutsche Neonazis bei SS-Gedenkmarsch in Budapest
Zentrales Vernetzungstreffen der europäischen Neonazi-Szene „Tag der Ehre“ in Budapest
Im Februar 2026 versammelten sich erneut mehrere Tausend Personen aus verschiedenen europäischen Ländern in Budapest zum sogenannten „Tag der Ehre“ (ungarisch: Becsület napja). Die seit Ende der 1990er Jahre etablierte Veranstaltung gilt als zentrales Vernetzungstreffen und identitätsstiftendes Ritual der militanten Neonazi-Szene in Europa.
Anlass ist der gescheiterte Ausbruchsversuch am 11./12. Februar 1945, bei dem deutsche Waffen-SS-Einheiten, Wehrmachtssoldaten und ungarische Kollaborateure aus dem von der Roten Armee eingekesselten Budapest zu entkommen suchten. Der Versuch mündete in ein militärisches Fiasko: Von Zehntausenden Beteiligten überlebten nur wenige Hundert.
Neonazistische Gruppierungen deuten dieses historische Ereignis seit Jahren geschichtsrevisionistisch um. Sie stilisieren den gescheiterten Ausbruch zu einem heroischen „Opfergang europäischer Soldaten gegen den Bolschewismus“ und blenden dabei sowohl den nationalsozialistischen Vernichtungskrieg als auch die massiven zivilen Opfer der Kämpfe in Budapest aus.
Zum Kernprogramm gehört ein nächtlicher Geländemarsch durch die Budaer Berge, der bis zu 60 km umfasst und symbolisch die historische Ausbruchsroute nachstellt. Die Teilnehmenden tragen dabei einschlägige NS-Symbolik, Runen oder historische Uniformelemente. Ergänzt wird das Wochenende durch interne Treffen, Vorträge, Neonazi-Konzerte und informelle Vernetzungsformate.
Erstmals organisiert wurde der „Tag der Ehre“ 1997 von der Hungarian National Front. Ab den frühen 2000er Jahren professionalisierte insbesondere das internationale Neonazi-Netzwerk Blood & Honour die Veranstaltung. Seither entwickelte er sich zu einem festen Termin im Kalender der europäischen extremen Rechten. Regelmäßig reisen zu diesem Anlass auch deutsche Neonazis an, darunter dieses Jahr erneut auch Aktivisten der Partei „Der III. Weg“, der Neonazi-Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) sowie parteiunabhängige Kameradschaften und internationale Gruppierungen.
Während in diesem Jahr alle antifaschistischen Protestveranstaltungen verboten wurden, inszenierten Blood and Honour-Strukturen am historischen Kapisztrán‑Platz im Burgviertel ein Gedenkritual mit Kranzablage. An diesem Gedenken nahmen auch Deutsche teil.