Antisemitismus: Die Erben Stalins: Autoritarismus und Antisemitismus bei neuen kommunistischen Jugendgruppen
Wie neue kommunistische Jugendgruppen militante Ästhetik, autoritäre Ideologien und antisemitische Agitation verbinden und warum sie längst kein Randphänomen mehr sind.
Die Rückkehr autoritärer Kadergruppen
In Deutschland sind in den vergangenen Jahren neue kommunistische Jugendgruppen entstanden, die sich betont kämpferisch, diszipliniert und revolutionär inszenieren. Zu den bekanntesten gehören Young Struggle und Rote Jugend Deutschland. Sie knüpfen ästhetisch und ideologisch an stalinistische und maoistische Traditionen an und vertreten ein autoritäres Politikverständnis, das auf Hierarchie, Kaderprinzip und der Abwertung demokratischer Aushandlungsprozesse beruht. Die Handreichung zeigt, dass diese Gruppen gezielt junge Menschen ansprechen, sich überregional ausbreiten und aktuelle Krisenlagen für Rekrutierung und Mobilisierung nutzen.
Antizionismus als Scharnier zum Antisemitismus
Ein zentrales Ergebnis der Handreichung ist die Bedeutung eines radikalen Antizionismus im antiimperialistischen Weltbild dieser Gruppen. Israel wird nicht als legitimer Staat anerkannt, sondern als Feind dämonisiert. Damit verbunden sind Solidaritätsbekundungen mit Hamas oder PFLP sowie die Verharmlosung oder Rechtfertigung des 7. Oktober 2023. Antisemitische Ideologie ist dabei kein Nebenaspekt, sondern politischer Kernbestand dieser Milieus.
Militanz, Körperkult und politische Einschüchterung
Die Handreichung beleuchtet auch die Aktionsformen dieser Gruppen. Kampfsport, uniforme Kleidung, strenge Choreografien und ein martialisches Auftreten sind Ausdruck ihres autoritären Selbstverständnisses. Auf Demonstrationen suchen sie gezielt die Konfrontation. Besetzungen, Störaktionen und ihre politische Bildsprache dienen vor allem der Einschüchterung, Selbstinszenierung und Rekrutierung.
Unterwanderung von Bündnissen und instrumentelle Allianzen
Diese Gruppen agieren nicht isoliert, sondern versuchen immer wieder, zivilgesellschaftliche Bündnisse, Proteste und Demonstrationen für ihre Zwecke zu nutzen. Wenn es gegen Israel geht, gehen sie dabei auch Bündnisse mit islamistischen oder nationalistischen Akteuren ein. Die Handreichung zeigt, dass sie demokratische Bewegungen nicht stärken, sondern eine Gefährdung für die offene Gesellschaft darstellen.
Empfehlungen für Zivilgesellschaft, Medien und politische Bildung
Die Handreichung plädiert für klare Grenzziehungen und eine genauere Beobachtung. Medien, Bildungsarbeit, Jugendorganisationen und zivilgesellschaftliche Träger sollten autoritäre und antisemitische Gruppierungen weder verharmlosen noch ihnen unkritisch Räume und Reichweite geben. Zugleich braucht es demokratische Angebote für junge Menschen, die Zugehörigkeit, Wirksamkeit und Orientierung vermitteln, ohne autoritäre Muster zu reproduzieren. Nur so lässt sich verhindern, dass stalinistische Kaderfantasien und antisemitische Weltbilder weiter an Anschlussfähigkeit gewinnen.
»MAAP – Monitoring und Analyse antisemitischer Protestdynamiken« ist ein Projekt von democ. Für inhaltliche Aussagen tragen allein die AutorInnen die Verantwortung. Gefördert wird das Projekt durch den Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.