RechtsextremismusIdentitärer Fackelmarsch von „Paris Fierté“

Am Samstag, dem 17. Januar 2026, dem kirchlichen Gedenktag der Heiligen Genoveva, zog ein Fackelzug durch die Pariser Straßen. Organisiert wurde der Marsch vom Kollektiv Paris Fierté (Pariser Stolz), das als Nachfolgeorganisation der 2021 aufgelösten Génération Identitaire (GI) gilt.

Die GI wurde per Regierungsdekret verboten und aufgelöst, weil sie zu rassistischer Diskriminierung sowie zu Hass und Gewalt aufrief und als paramilitärische Organisation eingestuft wurde. Paris Fierté präsentiert sich offiziell als kulturelle Vereinigung zur Förderung der Pariser Identität, verschleiert damit jedoch seinen rechts-politischen Hintergrund.

Bis zu 500 Teilnehmende versammelten sich zur Abenddämmerung an der zentral gelegenen Pont de la Tournelle, wo eine Statue der Heiligen Genoveva thront. Sie zogen mit brennenden Fackeln durch das Quartier Latin bis zur Kirche Saint-Étienne-du-Mont, in der die Reliquien der Genoveva aufbewahrt werden. Während des Zuges wurden Parolen wie „Paris, Stolz, Identität“, „Das volksnahe Paris, das identitäre Paris“ und „Pariser, wehr dich, hier bist du zu Hause!“ skandiert. Trotz einer starken Polizeibegleitung wurden Medienschaffende von Ordnern der Versammlung gezielt verfolgt und mit Stroboskopblitzen geblendet.

Der Marsch stieß an mehreren Stellen auf Proteste von Anwohner*innen. Aus einem Balkon wurde unter anderem „Bella Ciao“, die Hymne der italienischen Partisanen, die gegen die deutsche Besatzung und das faschistische Regime Mussolinis kämpften, abgespielt.
Der Zug endete mit dem Abbrennen von Bengalos.

Viele Teilnehmende stammen aus dem Umfeld der ehemaligen Génération Identitaire oder sympathisieren mit deren Nachfolgegruppen, darunter die Association de Soutien aux Lanceurs d’Alerte (ASLA) und traditionalistisch-katholischen Kreise. Auch bekannte identitäre Kader aus anderen europäischen Ländern waren angereist, darunter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Altersspanne reichte von Eltern mit Kleinkindern über Jugendliche bis zu älteren Personen; viele trugen Masken oder Vermummungen.

Paris Fierté bedient sich der historischen Figur der Heiligen Genoveva für eine identitätspolitische Selbstinszenierung: Sie wird selektiv als Symbol für den Schutz einer angeblich bedrohten französisch-christlich-europäischen Identität vor Migration und dem gesellschaftlichem Wandel instrumentalisiert. Ideologisch stützt sich die Gruppierung auf traditionalistischen Katholizismus, Nationalismus und rückwärtsgewandte Weltdeutungen. Paris Fierté inszeniert die Veranstaltung seit Jahren als „kulturelle“ statt als politische Veranstaltung und versucht damit, die personellen und ideologischen Kontinuitäten zur verbotenen Génération Identitaire zu verschleiern.

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