Rechtsextremismus: Jung & Militant: Rechtsextreme Jugendgruppen in Deutschland
Wie eine neue Generation rechtsextremer Jugendgruppen entsteht, welche Themen sie mobilisieren und warum sich ihre Aktivitäten nicht auf Social Media reduzieren lassen.
Handreichung: Jung und militant. Rechtsextreme Jugendgruppen in Deutschland (PDF)
Eine neue Generation von Neonazis
In Deutschland hat sich eine neue Generation von Neonazis formiert, die durch ein hohes Maß an Aktionsorientierung, Gewaltbereitschaft und ein sehr junges Alter auffällt. Zu den bekanntesten Gruppen zählen Jung & Stark, Elblandrevolte, Deutsche Jugend Voran und die Letzte Verteidigungswelle. Viele Zusammenschlüsse entstanden ab 2024, oft mit wechselnden Namen und schwer greifbaren Strukturen, was Zuordnung und Lagebild erschwert.
Queerfeindlichkeit als Mobilisierungsmotor
Ein zentrales Ergebnis der Handreichung ist die Rolle queerfeindlicher Positionen als Mobilisierungsantrieb. Ab Sommer 2024 traten die Gruppen öffentlich wahrnehmbar bei Protesten gegen CSD-Veranstaltungen auf, besonders in ostdeutschen Bundesländern. Diese Proteste erzeugen Sichtbarkeit, dienen als Rekrutierungsanlass und verknüpfen unterschiedliche Teile der Szene, auch überregional.
Von Online-Vernetzung zu Gewalt und Einschüchterung
Die Gruppen vernetzen sich online, inszenieren Stärke und Zugehörigkeit und nutzen Plattformen für Mobilisierung. Gleichzeitig zeigt die Handreichung, dass die Bedrohung nicht nur digital ist. Es kommt immer wieder zu Gewalttaten, häufig gegen politische Gegnerinnen und Gegner, sowie zu Angriffen auf alternative Orte und Veranstaltungen. Mehrere Führungspersonen wurden zu Haftstrafen verurteilt. Hinzu kommt visuelle Raumnahme, etwa durch Sticker und Graffiti, die gezielt einschüchtern und Räume markieren soll.
Anschluss an Parteistrukturen und parlamentarische Schnittstellen
Die Analyse zeigt, dass Die Heimat die Dynamik nutzt, um junge Aktivisten in Strukturen zu integrieren. Das führt zu einem Mitgliederzuwachs ihrer Jugendorganisation Junge Nationalisten. Gleichzeitig werden Schnittstellen zur AfD sichtbar. Einzelne AfD-Politiker mobilisierten gezielt diese Klientel zu Versammlungen, und die jungen Neonazis suchen ihrerseits öffentlich die Nähe zu AfD-Akteuren.
Empfehlungen für den Umgang
Die Handreichung warnt vor einer Berichterstattung, die unbeabsichtigt die Selbstinszenierung der Gruppen verstärkt. Als Gegenmittel wird unter anderem Deplatforming diskutiert, also die konsequente Löschung von Accounts und Inhalten, um Reichweite und Rekrutierung zu begrenzen. Ebenso betont der Text den Schutz der Betroffenen, konsequente Strafverfolgung und langfristige Stärkung demokratischer Strukturen, insbesondere in der offenen Jugendarbeit und in ländlichen Räumen.
Die vollständige Handreichung mit Einordnung, Beispielen und Empfehlungen steht als PDF auf democ.de zum Download bereit.