Aktuelles: Putins „Schatten-Armee“ bei kremlnahem 9.-Mai-Aufmarsch
Jährlich organisiert die russische Botschaft am 9. Mai eine Demonstration mit anschließender Gedenkfeier beim sowjetischen Heldendenkmal am Wiener Schwarzenbergplatz. Anlass ist der sogenannte „Tag des Sieges“, mit dem Russland offiziell an die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus im Jahr 1945 erinnert. Die Veranstaltung wird von der russischen Botschaft organisiert und dient dem Kreml als Bühne für Propaganda und politische Mobilisierung.
Offen zur Schau gestellt werden dabei historische Uniformen und Embleme sowie aktuelle Symbole, die im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg stark propagandistisch aufgeladen sind, darunter das „Z“-Zeichen, Georgsbänder und russische Fahnen. Der 9. Mai wird vom Kreml seit Jahren geschichtsrevisionistisch umgedeutet: Aus dem historischen Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein zentraler Bestandteil russischer Kriegspropaganda.
Die Befreiung Europas im Jahr 1945 wird dabei bewusst instrumentalisiert. Historische Erinnerung dient nicht mehr ausschließlich dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, sondern zunehmend der Inszenierung militärischer Stärke sowie der propagandistischen Rechtfertigung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.
An der Veranstaltung nahmen Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche, ultranationalistische Gruppen, kremlnahe Aktivisten sowie antiwestlich orientierte Linke teil. Vor Ort befanden sich außerdem rechtsgerichtete prorussische Medienaktivisten und ein Mitarbeiter des iranischen Staatsfernsehens.
Besonders präsent waren in diesem Jahr mehrere Chapter der extrem rechten „Nachtwölfe“. Der Motorradclub gilt als eine der bekanntesten paramilitärisch organisierten und kremlnahen Bikergruppierungen Russlands. Die Nachtwölfe sind ultraorthodox und vertreten eine ultranationalistische, antiwestliche sowie homofeindliche Ideologie. Seit Jahren treten sie offen als Unterstützer Putins auf.
International bekannt wurde die Gruppe durch ihre Beteiligung an der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 sowie durch ihre Unterstützung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Mehrere Mitglieder und Strukturen der Nachtwölfe stehen deshalb auf EU-Sanktionslisten. Für russische Mitglieder bestehen teilweise Einreiseverbote. Die starke Präsenz der Gruppe in Wien ist bemerkenswert und verdeutlicht die zunehmende Vernetzung kremlnaher Akteure rund um den 9. Mai.
Gegen den putinfreundlichen Aufmarsch demonstrierten ukrainische sowie exilrussische Aktivist*innen.