Monitoring: Trauermarsch in Dresden: Neonazis inszenieren erneut den deutschen Opfermythos
Rund 1.500 Neonazis nahmen am 14. Februar 2026 in Dresden am sogenannten „Trauermarsch“ teil. Seit den 1990ern nutzt die Szene den Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg, um den Mythos vom deutschen Opferstatus zu propagieren und Geschichte umzudeuten.
Viele Transparente griffen bekannte geschichtsrevisionistische Narrative auf. Auf Bannern wurden erneut stark überhöhte Opferzahlen von 350.000 Toten behauptet – tatsächlich liegt die Zahl bei etwa 25.000. Auch ein Transparent mit der Aufschrift „Bombenholocaust“ war wieder zu sehen. Einer der Träger schwenkte zugleich die Flagge des iranischen Regimes.
Im Vorfeld mobilisierten vor allem die Parteien „Die Heimat“ (ehemals NPD), ihre Jugendorganisation „Junge Nationalisten“ (JN) sowie die „Freien Sachsen“. Mehrere junge Teilnehmer trugen Kleidung der JN oder der militanten Partei „Der Dritte Weg“. Viele zeigten einschlägige Tattoos wie die „Schwarze Sonne“, verbotene Symbolik wurde abgeklebt.
Unter den Anwesenden waren zahlreiche Parteifunktionäre und neonazistische Kader, darunter Thorsten Heise, der Dortmunder Neonazi aus dem Umfeld von „Combat 18“ oder Robin S. sowie der mehrfach verurteilte Holocaust-Leugner Nikolai Nerling („Volkslehrer“) oder die betagte Geschichtsrevisionistin Edda Schmidt. Auch der Thüringer Reichsbürger Frank Haußner, der in seiner Heimat eng mit AfD-Landeschef Björn Höcke kooperiert, war vor Ort.
Organisiert wurde der Aufmarsch wie in den Vorjahren von der Gruppe „Dresden Gedenken“ um den völkischen Neonazi Lutz Giesen. Der 51-Jährige sitzt seit Juni 2024 für die „Freien Sachsen“ im Kreistag Mittelsachsen.
Eine Rede hielt der nordrhein-westfälische Neonazi Sven Skoda. Seine Ansprache war geprägt von antisemitischen Verschwörungsmythen und Holocaustrelativierungen. „Diese Republik fußt auf den Lügen der Geschichte“, rief er. Die Leute sollten „selber nachforschen“, dann fänden sie „immer denselben Urheber: den alten Feind unseres Volkes“ – eine kaum verklausulierte Beschreibung von Jüdinnen und Juden als vermeintliche Strippenzieher.
Rund 2.000 Gegendemonstrierende stellten sich der Inszenierung lautstark entgegen. Wegen Blockaden wurde der Aufmarsch mehrfach gestoppt. In Redebeiträgen empörte sich Giesen mehrfach über den stets hörbaren Gegenprotest.
Neun Neonazis führten laut Polizei unerlaubte Gegenstände wie Pfefferspray oder Protektorenhandschuhe mit sich. Zudem wird wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen ermittelt. Bei Vermummung, eigentlich ein Verstoß gegen die Versammlungsauflagen, griff die Polizei nicht ein. Auch das Banner „Bombenholocaust“ durften die Neonazis ungehindert zeigen.