Monitoring: „Menschenfresser“ – Xavier Naidoo fällt erneut mit Verschwörungserzählungen auf
Am 17. Februar 2026 fand vor dem Hintergrund der kürzlich veröffentlichten Epstein-Akten eine Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt in Berlin statt, Bei den Epstein-Akten geht es um Dokumente im Zusammenhang mit dem 2019 in Haft gestorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein, der über Jahre einen Missbrauchsring betrieb.
Die Kundgebung wurde von Betroffenen sexualisierter Gewalt initiiert und forderte Transparenz, Aufklärung sowie gesellschaftliche und politische Konsequenzen. Zugleich zog das Thema rechte und verschwörungsideologische Kreise an, die die Veranstaltung als Resonanzraum für ihre über Jahre gefestigten Deutungsmuster nutzten. Vor Ort waren unter anderem Vertreter rechter Medienformate wie Compact und AUF1, der ehemalige NPD-Funktionär Sebastian Schmidtke sowie Personen aus dem Reichsbürger- und Querdenkenmilieu.
Als Xavier Naidoo am Rande der Versammlung auftauchte, zog er sehr schnell die gesamte Aufmerksamkeit dieses Spektrums auf sich. Umringt von Anhängern versuchte er, ins Bundeskanzleramt vorgelassen zu werden, um Bundeskanzler Friedrich Merz direkt anzusprechen. Der Versuch scheiterte; stattdessen wandte er sich in Livestreams und spontanen Ansprachen an die verbliebenen Teilnehmer.
Unter großem Zuspruch seiner rechten Anhänger delegitimierte Naidoo die konkrete Thematisierung von wie er sagte „normalem Sex-Trafficking und Missbrauch junger Frauen“ und verbreitete stattdessen apokalyptische Verschwörungserzählungen. Er sprach von „Menschenfressern“, die „unsere Babys“ verzehrten, behauptete, man habe „unwissentlich“ bereits Menschenfleisch konsumiert, oder gar, dass die Bevölkerung selbst zu „Kannibalen“ werden solle. Außerdem verwies er auf ein angebliches „embryonales Gewürzmittel“ in Produkten eines großen Lebensmittelherstellers.
Die von Naidoo verbreiteten Motive – eine Elite, die Kinder missbrauche, rituell töte oder verzehre – entsprechen zentralen Elementen der QAnon-Erzählung, einer Erzählung, zu der er sich bereits 2020 bekannt hatte. Die veröffentlichten Dokumente zu Epstein belegen schweren sexuellen Missbrauch Minderjähriger, Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten und institutionelle Versäumnisse, Hinweise auf Kannibalismus, rituelle Opferungen von Kindern oder systematischen Menschenverzehr enthalten sie nicht.
Die Veranstalterin distanzierte sich anschließend bei Instagram scharf von der Instrumentalisierung ihres Anliegens und der Teilnahme dieses Milieus an ihrer Kundgebung.


