Monitoring: Gewaltverherrlichung und Erlösungsrhetorik auf der „United4Palestine“-Demonstration

Am 10. Oktober 2026 fand in Berlin die zweite Demonstration des Bündnisses „United4Palestine“ statt, die unter dem Motto „No Peace on Stolen Land“ vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz zog. Mit in der Spitze bis zu 3.500 Teilnehmenden war sie bundesweit die größte Versammlung in diesem Kontext im laufenden Jahr.

Die Redebeiträge und Sprechchöre waren von der Delegitimierung Israels, einer moralischen Überhöhung und einer Rhetorik geprägt, die den Nahostkonflikt als nationalen Befreiungskampf mit historischem Erlösungsanspruch verklärte. Damit einher gingen die Glorifizierung bewaffneter Gewalt und eine einseitige Darstellung Israels als alleinigen Verursacher des Konflikts.

Das Bündnis „United4Palestine“ wird maßgeblich von den palästinensischen Aktivisten Abed Hassan und Amin Rjoob organisiert, die in der israelfeindlichen Szene breit vernetzt sind. Rjoob geriet 2025 ins Visier der Hamburger Behörden, nachdem er sich im Westjordanland aufgehalten und dort die Freilassung von Gefangenen gefeiert haben soll, darunter Personen mit terroristischem Hintergrund. Hassan wurde nach dem 7. Oktober 2023 durch Videos aus dem Gazastreifen breiter bekannt, auch weil öffentlich-rechtliche Sender ihn in Fernsehformaten als „Stimme aus Gaza“ präsentierten, ohne seine politischen Positionen und Verbindungen hinreichend kritisch einzuordnen. Mittlerweile tritt er wiederholt bei Veranstaltungen der Anadolu Gençlik Derneği (AGD) auf, deren türkischer Mutterorganisation ideologische und personelle Verbindungen zur Hamas nachgewiesen werden können.

Als Redner auf der Demonstration untermauerten die Organisatoren diese ideologische Ausrichtung. Der Mitveranstalter der Demonstration, Abed Hassan, der sich als Gaza-Influencer einen Namen gemacht hat, beschwor in seiner Rede eine bevorstehende „Zeitenwende“ und stellte Palästina als identitätsstiftende Kraft dar, die Menschen unabhängig von Religion und Nationalität vereine. Die Verbindung von nationaler Einheit, historischer Schicksalswende und der Aussicht auf einen endgültigen Sieg weist Elemente einer nationalistischen Erlösungsrhetorik auf: Das politische Anliegen wird als übergreifende Kraft Palästina personifiziert, die eine grundlegende historische Veränderung herbeiführen soll.

Ali Chteiwia, ein seit Jahren in Berlin aktiver und gut vernetzter Aktivist, distanzierte sich in seiner Rede ausdrücklich vom Antisemitismus, erklärte zugleich jedoch den bewaffneten Kampf gegen Israel zur „moralischen Pflicht“ und legitimierte den Aufstand gegen den jüdischen Staat als vermeintlichen Befreiungskampf. Die vorangegangene Abgrenzung vom Antisemitismus verschleiert die dahinterstehenden Feindbilder und zielt auf eine Umdeutung des Antisemitismusbegriffs ab. Chteiwia ist sowohl mit der Jugendorganisation der türkischen Millî-Görüş-Bewegung Anadolu Gençlik Derneği (AGD) als auch mit dem Nationalkomitee um Ibrahim Ibrahim verbunden. Zudem wird er auf der Website der European Palestinians Conference (Konferenz der Palästinenser in Europa) als Vorstandsmitglied für Deutschland geführt. Die European Palestinians Conference und das Palestinian Return Centre (PRC) beschreiben sich selbst als unabhängige, zivilgesellschaftliche Menschenrechtsorganisationen, werden von Sicherheitsbehörden jedoch als Hamas-nahe Organisationen eingestuft.

Als weiterer Redner trat Mahmud Abu-Odeh auf, der der Gruppe Zaytouna Rhein-Neckar-Kreis und der Kommunistischen Organisation (KO) angehört. Er fiel in der Vergangenheit wiederholt mit antisemitischen und holocaustrelativierenden Äußerungen auf, weswegen er u.a. wegen Volksverhetzung und Billigung von Straftaten vor Gericht steht. Bei einer Demonstration 2025 in Frankfurt setzte er in einer Rede den Krieg in Gaza zudem mit dem Holocaust gleich und relativierte das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023.

Darüber hinaus beteiligte sich die Gruppierung PAallies sowie weitere Berliner Personen, die seit dem 7. Oktober 2023 regelmäßig bei israelfeindlichen Versammlungen in Erscheinung treten. Auch Aktivisten der in Deutschland verbotenen Gruppierung Samidoun waren als Vorsänger von Parolen in die Demonstration eingebunden. In ihrer personellen Zusammensetzung und den organisatorischen Verbindungen wies die Versammlung deutliche Parallelen zur Demonstration am Jahrestag des 7. Oktober in Berlin auf. Trotz der bundesweit höchsten Teilnehmerzahl bei einer Versammlung dieses Spektrums im laufenden Jahr zeigt sich im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlicher Rückgang der Mobilisierungszahlen, während zugleich eine Verfestigung und Radikalisierung der beteiligten Strukturen zu beobachten ist.

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