AktuellesVölkische Rhetorik bei AfD-Wahlkampfkundgebung am Roten Rathaus

Am 29. Juni 2026 veranstaltete die Berliner AfD vor dem Roten Rathaus in Berlin-Mitte eine Wahlkampfkundgebung zur Abgeordnetenhauswahl im September. Unter dem Motto „Berlin. Stark. Machen.“ versammelten sich laut Polizei rund 600 Personen, darunter viele Parteimitglieder.

Begleitet wurde die Versammlung von etwa 200 Gegendemonstrierenden aus dem Umfeld zivilgesellschaftlicher Initiativen.

Die Wahl des Ortes – unmittelbar vor dem Sitz des Berliner Senats – hatte einen erkennbaren symbolischen Charakter und zielte auf maximale politische Sichtbarkeit im Zentrum der Hauptstadt.

Neben der Berliner Spitzenkandidatin Kristin Brinker traten auch der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla, der AfD-Politiker Ulrich Siegmund (Sachsen-Anhalt) sowie der brandenburgische Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch auf. Damit inszenierte sich die Partei als bundesweit geschlossen auftretende Kraft im Wahlkampf.

In Redebeiträgen dominierten Angriffe auf Bundesregierung und Berliner Landespolitik. Wiederkehrend war die Darstellung eines grundlegenden politischen „Scheiterns“ sowie die Forderung nach einem deutlich restriktiveren migrations- und sicherheitspolitischen Kurs. Ulrich Siegmund forderte eine „Abschiebeoffensive“ und unterstellte politischen Gegner*innen, gekauft zu sein. Deswegen werde die AfD den NGOs den Geldhahn zudrehen – damit griff er eine Erzählung von NGOs als vernetztem Machtblock auf, die in Teilen rechter Medien seit Jahren verstärkt verbreitet wird.

Inhaltlich stach vor allem die Rede des Landtagsabgeordneten aus Brandenburg, Dennis Hohloch, hervor. Er forderte die Abschiebung von Millionen und entwarf ein ethnisch-völkisches Verständnis des deutschen Volkes, das er über gemeinsame Geschichte, Kultur und ausdrücklich auch über das „Weißsein“ definierte. Politischen Gegnern unterstellte er einen „Hass auf alles, was weiß ist“, auf die deutsche Kultur und die Deutschen. Zugleich erklärte er, man werde sich „nicht wegen 12 Jahren, auf die man kritisch schauen muss, [...] die deutsche Geschichte kaputt machen“ lassen. „Wir sind stolz, deutsch zu sein. Wir sind stolz, weiß zu sein.“
Die Bagatellisierung der nationalsozialistischen Herrschaft auf bloße „12 Jahre“ folgt einem für die AfD typischen rhetorischen Muster, das die NS-Zeit sprachlich verharmlost und ihre zentrale Bedeutung für die deutsche Erinnerungskultur relativiert.
Die Rede von Dennis Hohloch fügt sich in eine Argumentationslinie ein, wie sie bei führenden AfD-Politikern wie Björn Höcke oder Alexander Gauland länger schon zu beobachten ist.

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